Nach sechseinhalb Jahren bei der LongLife LED GmbH endet für mich ein berufliches Kapitel, das wesentlich mehr geworden ist, als ich zu Beginn erwartet hatte. Gleichzeitig beginnt ein neues: Mit der Commergy GmbH mache ich gemeinsam mit langjährigen Wegbegleitern aus dem, was ich seit mehr als 20 Jahren tue, ein neues Unternehmen.
Wenn ich heute auf meine Zeit bei LongLife LED zurückblicke, denke ich deshalb nicht nur an Softwareentwicklung. Ich denke an Systeme und Prozesse, an Produkte und Lieferanten, an Auszubildende, Kunden und Kollegen – und vor allem daran, wie viel Digitalisierung in einem mittelständischen Unternehmen tatsächlich verändern kann, wenn sie nicht als Selbstzweck verstanden wird.
Angefangen hat alles mit Softwareentwicklung
Anfang 2020 bin ich bei LongLife LED als Softwareentwickler gestartet.
Mein Schwerpunkt war zunächst ziemlich klar: bestehende IT-Strukturen weiterentwickeln, neue Systeme aufbauen und technische Probleme lösen. In den folgenden Jahren wurde mein Aufgabenbereich allerdings immer größer – und damit auch mein Blick darauf, was gute Software in einem Unternehmen eigentlich leisten muss.
Eine der größten Aufgaben war die Einführung eines ERP-Systems von Grund auf. Parallel dazu entstand mit Shopware 6 eine neue zentrale E-Commerce-Plattform, die wir kontinuierlich erweitert und an die Anforderungen des Unternehmens angepasst haben.
Dabei ging es schnell nicht mehr nur um einen Onlineshop.
Ein Shop ist in einem modernen Handelsunternehmen schließlich kein isoliertes System. Preise und Produktdaten kommen aus anderen Anwendungen. Bestellungen müssen weiterverarbeitet werden. Rechnungen und Buchhaltungsdaten müssen ihren Weg finden. Lagerbestände müssen stimmen. Mitarbeiter arbeiten mit unterschiedlichen Systemen und dennoch sollten Informationen möglichst nur einmal erfasst werden.
Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb meistens zwischen den Systemen.
Wenn Systeme anfangen, miteinander zu sprechen
Ein großer Teil meiner Arbeit bestand in den vergangenen Jahren darin, genau diese Grenzen zu beseitigen.
ERP, Shopware, DATEV, Zeiterfassung, Zugangskontrolle und weitere interne Anwendungen wurden miteinander verbunden. Daten, die vorher manuell übertragen werden mussten, konnten automatisiert ausgetauscht werden.
Viele dieser Verbesserungen sind nach außen vollkommen unsichtbar.
Der Kunde sieht nicht, dass im Hintergrund ein Prozess automatisch angestoßen wird. Ein Mitarbeiter denkt irgendwann nicht mehr darüber nach, dass Informationen früher in mehreren Systemen gepflegt werden mussten. Und niemand bemerkt eine Schnittstelle, solange sie zuverlässig funktioniert.
Genau darin liegt für mich aber der Wert guter Digitalisierung.
Nicht möglichst viele neue Tools einzuführen, sondern Arbeit verschwinden zu lassen.
Wenn ein Vorgang, der vorher jeden Tag zehn Minuten manuelle Arbeit verursacht hat, automatisiert werden kann, klingt das zunächst unspektakulär. Wenn dieser Vorgang aber jeden Arbeitstag stattfindet, mehrere Mitarbeiter betrifft oder Fehler verursacht, sieht die Rechnung plötzlich ganz anders aus.
Aus einzelnen Verbesserungen entstehen auf diese Weise erhebliche Zeitgewinne.
Und genau diese Perspektive hat meine Arbeit immer stärker geprägt: Nicht die Frage, welche Technologie wir einsetzen können, sondern welches Problem wir damit lösen.
Digitalisierung beginnt nicht bei der Software
Die vergangenen sechseinhalb Jahre haben mir aber auch gezeigt, dass technische Lösungen nur einen Teil erfolgreicher Digitalisierung ausmachen.
Man kann das beste ERP-System einführen und trotzdem schlechte Prozesse digitalisieren. Man kann einen hervorragenden Onlineshop entwickeln und gleichzeitig Produktdaten schlecht organisieren. Und man kann nahezu jeden Vorgang automatisieren – auch einen, den es eigentlich gar nicht geben müsste.
Deshalb wurde mein Aufgabenbereich mit der Zeit zwangsläufig breiter.
Ich beschäftigte mich nicht mehr nur damit, wie Software gebaut wird, sondern zunehmend damit, wie das Unternehmen insgesamt arbeitet.
Welche Informationen brauchen Mitarbeiter wirklich?
Wo entstehen doppelte Arbeiten?
Welche Systeme sollten miteinander verbunden werden?
An welcher Stelle lohnt sich Individualentwicklung und wann ist eine Standardlösung die bessere Wahl?
Und vor allem: Wo verlieren wir jeden Tag Zeit, ohne es überhaupt noch zu bemerken?
Wer lange genug in einem Unternehmen arbeitet, entwickelt für solche Dinge irgendwann einen ziemlich guten Blick.
Von China bis zur Energiekennzeichnung
Dass meine Tätigkeit längst weit über klassische Softwareentwicklung hinausging, zeigte sich auch an vielen anderen Aufgaben.
Ich habe mit Lieferanten in China verhandelt und erlebt, wie aus einer Produktidee Schritt für Schritt ein marktfähiges Produkt wird. Von technischen Anforderungen und Mustern über Änderungen und Abstimmungen bis zur finalen Beschaffung sind dabei vollkommen andere Fähigkeiten gefragt als bei der Entwicklung einer Schnittstelle.
Gleichzeitig habe ich mich intensiv mit regulatorischen Themen beschäftigt – beispielsweise mit EPREL-Registrierungen und den europäischen Anforderungen an die Energiekennzeichnung.
Auch die Betreuung unserer niederländischen Kunden gehörte zu meinen Aufgaben.
Gerade diese Mischung hat meine Zeit bei LongLife LED für mich besonders wertvoll gemacht. Softwareentwicklung fand nicht losgelöst vom eigentlichen Geschäft statt. Ich konnte unmittelbar erleben, was vor und nach einem technischen Prozess passiert.
Das verändert die Art, wie man Software entwickelt.
Wer selbst erlebt hat, wie Einkauf, Produktmanagement, Vertrieb, Buchhaltung, Logistik und E-Commerce zusammenspielen, entwickelt Schnittstellen anders. Und wer gesehen hat, welche Konsequenzen fehlerhafte oder unvollständige Produktdaten haben können, betrachtet ein PIM nicht einfach als weitere Software im Technologie-Stack.
Technik bekommt einen Kontext.
Menschen entwickeln ist mindestens genauso spannend
Zu den Erfahrungen, die mir besonders in Erinnerung bleiben werden, gehört außerdem die Arbeit mit unseren Auszubildenden.
Menschen am Anfang ihres Berufslebens zu begleiten, ihnen Wissen zu vermitteln und gleichzeitig zu erleben, wie sie zunehmend selbstständig Probleme lösen, ist etwas völlig anderes, als ein technisches Projekt erfolgreich abzuschließen.
Am Anfang wird viel erklärt.
Irgendwann diskutiert man gemeinsam Lösungswege.
Und schließlich sitzt einem jemand gegenüber, der selbst fundierte Entscheidungen trifft und sein eigenes Fachwissen entwickelt hat.
Zu sehen, wie aus Auszubildenden Fachleute werden, gehört für mich deshalb zu den schönsten Teilen meiner Zeit bei LongLife LED.
Mehr als sechs Jahre, die meinen Blick verändert haben
Wenn ich heute zusammenfassen müsste, was ich aus dieser Zeit mitnehme, wäre es wahrscheinlich vor allem eines:
Ein wesentlich besseres Verständnis dafür, wo Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen tatsächlich Mehrwert schafft.
Technologie allein löst keine Probleme.
Die entscheidende Frage ist immer, ob sich durch ihren Einsatz etwas messbar verbessert: weniger manuelle Arbeit, weniger Fehler, bessere Daten, schnellere Abläufe oder eine bessere Grundlage für Entscheidungen.
Das klingt selbstverständlich. In der Praxis ist es das erstaunlich oft nicht.
Neue Software einzuführen ist vergleichsweise einfach. Prozesse wirklich zu verstehen, sie zu hinterfragen und anschließend eine Lösung zu entwickeln, die auch in fünf Jahren noch funktioniert, ist deutlich schwieriger.
Genau diese Aufgabe macht mir aber besonders viel Spaß.
Eigentlich beschäftige ich mich schon deutlich länger damit
Meine berufliche Geschichte beginnt allerdings nicht 2020.
Mit Rademaker.Online war ich bereits mehr als fünfzehn Jahre selbstständig tätig. Meine ersten Web- und Softwareprojekte liegen inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte zurück.
In dieser Zeit haben sich Technologien mehrfach komplett verändert.
Shopsysteme kamen und gingen. PHP entwickelte sich weiter. Frameworks wurden populär und verschwanden wieder. Hosting wurde zur Cloud. Monolithische Anwendungen wurden durch APIs ergänzt. Heute diskutieren wir über künstliche Intelligenz und autonome Systeme.
Aber ein Problem ist erstaunlich konstant geblieben:
Unternehmen haben Systeme, die nicht richtig miteinander kommunizieren, Daten, die mehrfach gepflegt werden müssen, und Prozesse, bei denen Menschen jeden Tag Aufgaben erledigen, die Software zuverlässiger erledigen könnte.
Genau an dieser Stelle habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder gearbeitet.
Und genau dort möchte ich weitermachen.
Der nächste Schritt heißt Commergy
Mit dem Ende meiner Zeit bei LongLife LED beginnt deshalb für mich kein vollkommen neuer Weg.
Es ist vielmehr die konsequente Fortsetzung dessen, was ich schon lange mache.
Der wesentliche Unterschied: Ich mache es künftig nicht mehr allein.
Gemeinsam mit Luca Tüchter, Tim Beniermann und Thorsten Rademaker habe ich in Neuenhaus die Commergy GmbH gegründet.
Wir kennen uns seit Jahren und bringen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammen. Uns verbindet dabei eine ziemlich pragmatische Vorstellung davon, was IT für Unternehmen leisten sollte.
Sie soll funktionieren.
Sie soll Prozesse einfacher machen.
Und sie soll sich wirtschaftlich lohnen.
Technologie um der Technologie willen interessiert uns deshalb wenig.
Was wir mit Commergy machen wollen
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt im E-Commerce und insbesondere bei Shopware 6.
Wir entwickeln und erweitern Shops, begleiten Migrationen und kümmern uns um Performance und individuelle Funktionen.
Aber ein Shop ist für uns eben nur ein Bestandteil der gesamten Systemlandschaft.
Mindestens genauso wichtig sind deshalb die Schnittstellen dahinter: ERP-Systeme, PIM-Lösungen, Buchhaltung, DATEV, Warenwirtschaft, Logistik oder individuell entwickelte Anwendungen.
Unser Ziel ist dabei nicht, bestehende Systeme zwangsläufig zu ersetzen.
Häufig ist die bessere Lösung, vorhandene Systeme intelligent miteinander zu verbinden.
Wenn ein ERP seine Aufgabe gut erfüllt, muss es nicht ausgetauscht werden. Wenn Mitarbeiter mit einer bestehenden Anwendung zufrieden sind, braucht niemand ein neues System, nur weil es moderner aussieht.
Manchmal fehlt lediglich die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen.
Automatisierung dort, wo heute noch jemand klickt
Ein weiterer Schwerpunkt wird deshalb die Automatisierung von Geschäftsprozessen.
Dahinter müssen keine spektakulären Projekte stecken.
Oft sind es gerade die kleinen Abläufe, die jeden Tag Zeit kosten:
Eine Datei wird heruntergeladen und in ein anderes System importiert.
Informationen werden aus einer E-Mail übertragen.
Ein Mitarbeiter gleicht zwei Listen miteinander ab.
Produktdaten werden gleichzeitig im ERP und im Shop gepflegt.
Eine Bestellung muss manuell nachbearbeitet werden.
Ein Bericht wird jeden Montag aus mehreren Quellen zusammengestellt.
Jeder einzelne Vorgang dauert vielleicht nur einige Minuten.
Über Monate und Jahre betrachtet entsteht daraus allerdings ein erheblicher Aufwand.
Unser Ansatz ist deshalb, genau hinzusehen: Welche dieser Arbeiten lassen sich zuverlässig automatisieren? Welche Daten können direkt zwischen Systemen übertragen werden? Und wo lässt sich ein Prozess vielleicht sogar komplett neu denken?
Und natürlich spielt KI dabei eine Rolle
Künstliche Intelligenz verändert gerade die Möglichkeiten der Softwareentwicklung und Prozessautomatisierung enorm.
Auch damit beschäftigen wir uns intensiv.
Wir nennen diesen Bereich bei Commergy Applied Intelligence.
Der Begriff beschreibt ziemlich genau, worauf es uns dabei ankommt: nicht möglichst viel KI einzusetzen, sondern sie dort anzuwenden, wo sie tatsächlich einen Vorteil bringt.
Ein Sprachmodell einzubauen, nur damit irgendwo „AI powered“ auf einer Website stehen kann, löst kein Problem.
Interessant wird es, wenn KI beispielsweise Informationen aus unstrukturierten Dokumenten zuverlässig extrahiert, Inhalte klassifiziert, Mitarbeiter bei wiederkehrenden Aufgaben unterstützt oder große Datenmengen so aufbereitet, dass Entscheidungen schneller getroffen werden können.
Auch hier gilt deshalb derselbe Grundsatz wie bei klassischer Automatisierung:
Die Technologie ist nicht das Ziel.
Das Ergebnis ist entscheidend.
20 Jahre Erfahrung sind kein Verkaufsargument
Wenn man mehr als zwanzig Jahre Software entwickelt, könnte man natürlich einfach mit dieser Zahl werben.
Ich sehe das etwas anders.
Erfahrung allein ist noch kein Qualitätsmerkmal.
Der eigentliche Wert entsteht daraus, dass man bestimmte Muster bereits kennt.
Man hat Projekte gesehen, die unnötig kompliziert wurden.
Man kennt Systeme, die mit großen Ambitionen eingeführt wurden und anschließend niemand richtig benutzt hat.
Man hat erlebt, dass eine kleine Schnittstelle manchmal mehr bringt als ein sechsmonatiges Großprojekt.
Und man weiß, dass die technisch spannendste Lösung nicht automatisch die wirtschaftlich sinnvollste ist.
Diese Erfahrung hilft vor allem bei einer Entscheidung:
Was sollten wir nicht bauen?
Gute Beratung bedeutet für mich deshalb nicht, möglichst große Projekte zu verkaufen.
Manchmal ist die richtige Empfehlung ein neues System.
Manchmal eine Individualentwicklung.
Manchmal eine Schnittstelle.
Und manchmal ist die beste Lösung, fast gar nichts zu verändern.
Entscheidend ist, früh zu erkennen, welche Maßnahme einen echten Nutzen bringt.
Danke für sechseinhalb intensive Jahre
Bevor das neue Kapitel beginnt, gehört aber auch ein Blick zurück dazu.
Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die ich bei LongLife LED bekommen habe. Für den Freiraum, Dinge auszuprobieren. Für das Vertrauen, Verantwortung zu übernehmen. Für Projekte, bei denen ich weit über meinen ursprünglichen Aufgabenbereich hinausgehen konnte.
Und vor allem für die Menschen, mit denen ich in dieser Zeit zusammenarbeiten durfte.
Viele der Erfahrungen, auf denen wir heute Commergy aufbauen, wären ohne diese Jahre nicht entstanden.
Deshalb gehe ich mit Stolz auf das, was wir gemeinsam aufgebaut haben – und mit vielen Erinnerungen an Projekte, Probleme, Lösungen und wahrscheinlich auch die eine oder andere sehr lange Fehlersuche.
Ein neues Kapitel
Nach mehr als sechs Jahren LongLife LED, mehr als fünfzehn Jahren Rademaker.Online und inzwischen über zwanzig Jahren Beschäftigung mit Webentwicklung, E-Commerce und Software beginnt jetzt also der nächste Abschnitt.
Im Kern bleibt meine Arbeit dabei erstaunlich ähnlich.
Ich möchte Onlineshops bauen, die zuverlässig funktionieren.
Ich möchte Systeme miteinander verbinden, zwischen denen heute noch Menschen Daten übertragen.
Ich möchte Prozesse hinterfragen, bevor sie digitalisiert werden.
Ich möchte Software entwickeln, die ihren Nutzern Arbeit abnimmt.
Und ich möchte künstliche Intelligenz dort einsetzen, wo sie tatsächlich einen messbaren Vorteil bringt.
Nur mache ich all das künftig gemeinsam mit einem Team und unter einem neuen Namen.
Commergy.
Ich freue mich darauf, zu sehen, was wir daraus machen.