Bei der Stadtratswahl in Neuenhaus hat die FDP 6,9 Prozent der Stimmen erreicht. Damit konnten wir unser Ergebnis gegenüber der Kommunalwahl 2021 deutlich verbessern. Aus einem Ratsmandat werden künftig zwei.
Für mich ist dieses Ergebnis aber weit mehr als eine Zahl in einer Wahltabelle. Denn die beiden FDP-Mandate werden künftig von meiner Frau Maike und mir wahrgenommen.
Dass wir diesen Weg gemeinsam gehen können, macht dieses Wahlergebnis für mich zu etwas ganz Besonderem.
Vor wenigen Monaten sah die Situation noch ganz anders aus
Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, erscheint mir das Ergebnis noch immer bemerkenswert.
Unser FDP-Ortsverband Wietmarschen Neuenhaus war über längere Zeit nur noch wenig aktiv und öffentlich kaum sichtbar. Anfang 2026 haben wir begonnen, ihn neu aufzustellen. Dabei ging es zunächst gar nicht um große Erwartungen oder ambitionierte Wahlziele.
Die erste Aufgabe war viel grundlegender: Strukturen wieder aufbauen, Menschen zusammenbringen, Veranstaltungen organisieren, politische Themen diskutieren und dafür sorgen, dass liberale Kommunalpolitik in Wietmarschen und Neuenhaus überhaupt wieder sichtbar stattfindet.
Vor allem aber wollten wir sicherstellen, dass es auch nach der Kommunalwahl eine liberale Vertretung in unseren kommunalen Räten gibt.
Aus diesem zunächst recht bescheidenen Ziel sind innerhalb weniger Monate eine aktive kommunalpolitische Arbeit, ein engagierter Wahlkampf und schließlich knapp sieben Prozent bei der Stadtratswahl in Neuenhaus geworden.
Das empfinde ich keineswegs als selbstverständlich.
Kommunalpolitik wird vor Ort entschieden
Gerade Kommunalwahlen zeigen für mich immer wieder, dass Politik vor Ort anders funktioniert als auf Bundes- oder Landesebene.
Natürlich spielen Parteien und ihre grundsätzlichen politischen Vorstellungen auch hier eine Rolle. Aber mindestens genauso wichtig sind die Menschen, die auf einem Wahlzettel stehen.
Es geht darum, wem die Bürgerinnen und Bürger zutrauen, sich in den kommenden fünf Jahren mit den ganz konkreten Fragen einer Stadt auseinanderzusetzen.
Mit Straßen und Radwegen. Mit Schulen, Kindergärten und Feuerwehr. Mit Stadtentwicklung und Baugebieten. Mit Vereinen und Ehrenamt. Mit dem Haushalt. Mit Wirtschaftsförderung. Und mit vielen scheinbar kleinen Entscheidungen, die für diejenigen, die unmittelbar davon betroffen sind, alles andere als klein sind.
Kommunalpolitik findet nicht weit entfernt statt. Ihre Auswirkungen sieht man häufig direkt vor der eigenen Haustür.
Genau darin liegt für mich ein großer Reiz dieser Aufgabe.
Vertrauen lässt sich nicht mit Prozentzahlen vollständig beschreiben
Ein Wahlergebnis kann man relativ einfach zusammenfassen: 6,9 Prozent, zwei Mandate.
Aber hinter diesen Zahlen stehen Menschen.
Menschen, die auf dem Wahlzettel ganz bewusst ihre Kreuze gesetzt haben. Menschen, mit denen wir in den vergangenen Monaten gesprochen haben. Menschen, die uns geschrieben, Fragen gestellt, Kritik geäußert oder Ideen mitgegeben haben.
Deshalb ist mein wichtigster Satz nach dieser Wahl eigentlich ein sehr einfacher:
Vielen Dank für dieses Vertrauen.
Für Maike und mich bedeutet dieses Vertrauen gleichzeitig Verantwortung. Ein Ratsmandat ist kein Preis für einen erfolgreichen Wahlkampf. Es ist ein Auftrag für die kommenden Jahre.
Und jetzt beginnt der wesentlich wichtigere Teil.
Vom Wahlkampf zur Ratsarbeit
Mit dem Beginn der neuen Wahlperiode beginnt für uns eine völlig neue Phase. Die bisherige kommunale Wahlperiode endet am 31. Oktober 2026; anschließend nimmt der neu gewählte Rat seine Arbeit auf.
Wahlkampf lebt zwangsläufig davon, Unterschiede sichtbar zu machen. Ratsarbeit funktioniert dagegen nur, wenn Menschen anschließend auch miteinander arbeiten können.
Wir werden deshalb nicht mit dem Anspruch in den Stadtrat gehen, zu jeder Frage bereits die fertige Antwort zu besitzen.
Wir wollen zuhören.
Wir wollen uns gründlich in Themen und Unterlagen einarbeiten.
Wir wollen nachfragen, wenn etwas unklar ist.
Wir wollen eigene Ideen einbringen.
Und wir wollen dort mit den anderen Fraktionen und Ratsmitgliedern zusammenarbeiten, wo wir gemeinsam zu guten Lösungen für Neuenhaus kommen können.
Natürlich werden wir dabei eine eigenständige liberale Perspektive vertreten. Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass politische Unterschiede verschwinden müssen. Unterschiedliche Auffassungen gehören zu einer demokratischen Kommunalpolitik dazu.
Aber am Ende sollte die entscheidende Frage nicht sein, von welcher Partei ein Vorschlag kommt.
Entscheidend sollte sein, ob er für unsere Stadt sinnvoll ist.
Politik muss nachvollziehbarer werden
Einen Punkt möchte ich dabei besonders ernst nehmen: Kommunalpolitik muss für Bürgerinnen und Bürger verständlicher und zugänglicher werden.
Viele wichtige Entscheidungen entstehen über Wochen oder Monate hinweg. Sie werden in Ausschüssen vorbereitet, in Fraktionen beraten, von der Verwaltung ausgearbeitet und schließlich im Rat beschlossen.
Wer diese Prozesse nicht regelmäßig verfolgt, sieht häufig nur das Ergebnis – nicht aber den Weg dorthin.
Das möchte ich zumindest für meinen Teil verändern.
Ich möchte in den kommenden Jahren regelmäßig darüber berichten, welche Themen im Stadtrat anstehen, wie kommunale Entscheidungen zustande kommen und warum bestimmte Fragen möglicherweise komplizierter sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Nicht jede Ratssitzung wird spektakulär sein. Und wahrscheinlich werden manche Diskussionen über Satzungen, Haushaltsstellen oder Verwaltungsverfahren weniger Aufmerksamkeit bekommen als ein Wahlkampf.
Aber genau dort findet ein großer Teil der tatsächlichen kommunalpolitischen Arbeit statt.
Auch darüber möchte ich auf diesem Blog schreiben.
Gemeinsam im Stadtrat
Eine besondere Situation ist natürlich, dass Maike und ich künftig gemeinsam im Stadtrat sitzen werden.
Wir teilen vieles miteinander – jetzt also auch dieses Ehrenamt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass wir automatisch bei jedem politischen Thema derselben Meinung sein werden. Wer uns kennt, dürfte wissen, dass wir durchaus diskutieren können.
Ich sehe das eher als Vorteil.
Politik lebt davon, Argumente auszutauschen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und die eigene Position immer wieder zu hinterfragen.
Und vielleicht wird die eine oder andere politische Diskussion künftig bei uns auch noch nach einer Ratssitzung am Küchentisch weitergehen.
Dass wir beide gleichzeitig erstmals in den Stadtrat gewählt wurden, bleibt für mich jedenfalls einer der ganz besonderen Aspekte dieser Kommunalwahl.
Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit
Nach Wahlkampf, Wahlabend und den ersten Tagen der Freude über das Ergebnis richtet sich der Blick inzwischen nach vorne.
Vor uns liegen fünf Jahre kommunalpolitischer Arbeit.
Fünf Jahre, in denen sicherlich nicht jede Entscheidung einfach sein wird. In denen unterschiedliche Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen. In denen finanzielle Möglichkeiten Grenzen setzen werden. Und in denen es auch Entscheidungen geben wird, bei denen man es nicht allen recht machen kann.
Ich freue mich trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – sehr auf diese Aufgabe.
Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass Neuenhaus sich in den kommenden Jahren gut weiterentwickelt. Sachlich, konstruktiv und mit einem offenen Ohr für die Menschen, die hier leben.
Und ich möchte auch nach der Wahl ansprechbar bleiben.
Wer eine Frage, ein Problem oder eine Idee für unsere Stadt hat, muss damit nicht bis zur nächsten Kommunalwahl warten. Kommunalpolitik sollte vom Austausch leben – gerade zwischen den Wahlen.
Für Maike und mich beginnt damit ein neues Kapitel.
Wir freuen uns darauf.
Und vor allem noch einmal:
Danke für das Vertrauen.